Nach ihrem Novellenband Le fil de soie (Edition de l’Aire, 2014) überzeugt Sylvie Blondel (Lausanne) erneut mit Ce que révèle la nuit. Histoire de la vie et de la mort d'un chasseur de comètes. Sachkundig und sensibel skizziert der auf zwei Zeitebenen spielende Gelehrtenroman Leben und Leid des Waadtländer Wissenschaftlers Jean-Philippe Loÿs de Cheseaux (1718–1751). Vom Großvater, dem Philosophen Jean-Pierre de Crousaz, einem Zeitgenossen Major Davels, schon früh gefördert, den Kosmos zu erforschen, stirbt der Astronom Loÿs mit nur 33 Jahren schwerkrank in Paris. Nach der im Stile Molières fabelhaft karikierten Sterbeszene wird der Schweizer Protestant neben «Juden, Schauspielern, Selbstmördern und zum Tode Verurteilten» in der Nähe von Sades Charenton bei Nacht beigesetzt. Mit der Haupterzählung alterniert die Geschichte Hektor Lenoirs, des zweiten Erzählers, der in Anspielungen auf das Pseudonym von Foucaults Freund, Hervé Guibert, sowie auf Hitchcocks Vertigo den Verlust seiner Venus, Justine verarbeitet und derweil den vergessenen Aufklärer aus der Waadt wiederentdeckt. (Katja Fries)