Der Schriftsteller und Spoken-Word-Performer Rolf Hermann hat eine blühende Fantasie, die in seinen nun in Buchform versammelten Sprechtexten mit der Gewöhnungsbedürftigkeit seiner Walliser Alltagssprache wetteifert. Exemplarisch geschieht dies etwa in der Kürzesterzählung des 27-jährigen Dialektforschers, der in einer Walliser Kolonie in Argentinien die 108-jährige Esmeralda heiratet. Mit der Begründung, dass sie «äsoo näs reins Wallisärtiitsch» spreche, wie er es sonst nur aus der Forschungsliteratur kenne. Während die Mehrzahl der Texte auch in einer sorgfältigen Übersetzung (Rolf Hermann und Ursina Greuel) zu genießen ist, fehlt eine solche zu Recht in den lyrischen Stücken, welche an die konkrete Poesie Ernst Eggimanns und Ernst Jandls anknüpfen. Hier führt kein Weg um das Walliserdeutsche mit seinen langen Lauten und singenden Phrasen, wenn man Hermann in seine tierisch-knorrig-musikalische Fantasiewelt folgen will. (Florian Bissig in Viceversa 12, 2018)