Monique Schwitter hat einen langen Atem: In ihrem zweiten Erzählband erkundet sie in fünfzehn im Ton und in der Stimmung ganz unterschiedlichen Texten, wie Menschen sich selbst und anderen ihre Geschichte erzählen, sich geradezu ans Erzählen als identitätssicherndes Verfahren klammern – oft angesichts des Todes. Mit grossem Gespür für Kippmomente und sprachlichem Biss fokussiert Schwitter die Szenen, in der ihre Protagonisten in ihrer ganzen Verlorenheit sichtbar werden. Ihr abgründiger Humor macht die Texte absurder, aber nicht harmloser. Zu unberechenbar ist der Schmerz, den die Figuren beherzt und wütend hinunterschlucken. (Christine Lötscher)