Das Buch beginnt mit der längeren historischen Erzählung «El zuppau dalla riva» (Verborgen am Fluss), die in gut recherchierter Weise die Geschichte der letzten Hinrichtung im Kanton Graubünden (1847) aufrollt: Giachen Condrau Spescha hatte damals in Trun (Bündner Oberland) die schwangere Witwe Catrina grausam ermordet und wurde zum Tode verurteilt.
Der ebenfalls aus Trun stammende Autor verbindet die Erzählung mit Fiktion, die er allerdings auf Gerichtsprotokolle und Zeitungsartikel stützt. Ein anschließender Kommentar von Martín Camenisch verdeutlicht fachkundig den historischen Kontext des Falles.
Im zweiten Teil des Buches erzählt Tambornino verschiedene Episoden aus seiner Kindheit. Mit liebvollem Blick für Details und einer guten Portion Humor lässt er die Stimmung in der damaligen Truner Casa Pajarola aufleben. Der Autor erinnert sich unprätentiös und unverstellt, wie er als Dorfjunge mit seinen Tanten und Onkeln – teilweise sogar mit einer Familie italienischer Gastarbeiter – unter einem Dach zusammenlebte. Im Gegensatz zum bedrückenden ersten Teil des Buches ist der zweite Teil voller Witz und Lebensfreude.
(Valeria Badilatti in Viceversa 13, 2019)