In unerschrockener Klarsicht legt die Ich-Erzählerin Anna Weiss sich Rechenschaft über ihr Leben und ihre Familienverhältnisse ab. Anlass dazu wird ihr der Tod der Großtante Leah, deren Tagebücher sie sich ebenso entgegenhält wie die Fotos, die sie – geübt als Kunstwissenschaftlerin – auf präziseste Weise wiedergibt. Während Leah drei Ehen durchlebt hat und sich in mehrere Kontinente versetzt sah, muss Anna sich erst mit dem Vater, dem Bruder und der meist abwesenden Mutter auseinandersetzen, bevor sie einen Neuanfang wagt und sich »wenigstens eine andere Umgebung« schafft, wie es das Motto von Anton Tschechow ankündigt.
(Daniel Rothenbühler, Viceversa 8, 2014)