Vierzehn: das Alter, wo alles stehen bleibt. Wo die Welt eine zögernde Bahn beschreitet, eine schwankende, zumindest für die Erzählerin von La Poussette, so der Titel des zweiten Romans der Schweizer Schriftstellerin, Fotografin und Filmemacherin Dominique de Rivaz. Diese knapp gehaltene Erzählung, welche die Gangart eines Bekenntnis hat, gliedert sich mit Leichtigkeit um ein Schlüsselerlebnis: als junges Mädchen stürzt sie den Kinderwagen um, in welchem der Säugling ihrer Lehrerin schläft. Das kleine Kind prallt auf den Boden. Diesen Schock sperrt die Erzählerin in die Sprache und die Naivität ihrer Kindheit. Oder geht es nur darum, die Grausamkeit einer Welt zu verschleiern, welche ohnehin ohne sie auskommen würde? So geschieht, dass im kleinen Universum dieser jungen Frau Märchenprinzen die in Wasserlöcher verirrten Golfbälle sammeln, Puppen den gleichen Wert wie Säuglinge haben, Kinder verschwinden, gestohlen oder umgetauscht werden. Und immer wieder umhüllt der Unfall mit dem Kinderwagen die junge Frau mit Beklommenheit, er taucht ohne Vorwarnung wieder auf, verschleisst sie schamlos. Nach Douchinka, dem ersten und in der Zeitgeschichte angesiedelten Roman von Dominique de Rivaz, erzählt La Poussette vom Individuum und seinen Ängsten. (ja)