Über Gott und die Welt

sur Über Gott und die Welt de Peter Bichsel

Der Literaturwissenschaftler und Theologe Andreas Mauz hat 37 Texte aus 35 Jahren zusammengetragen, in denen Peter Bichsel sich mit der Religion auseinandersetzt – Predigten, Geschichten, Kolumnen, Essays, Reden. Eingerahmt werden die Texte durch ein Gedicht aus den 1960er Jahren (das auf mehr Lust macht) und der Transkription eines öffentlichen Gesprächs des Autors mit Dorothee Sölle aus dem Jahr 1989. Einmal mehr zeigt sich, dass Bichsel neben dem grossen Dichter auch ein kluger Denker ist. An Gott, Jesus, der Kirche und den Gläubigen interessiert ihn wie an der menschlichen Existenz das, was nicht aufgeht, was man nur durchs Querdenken angehen kann. Er glaubt an Gott, weil es ihn nicht gibt, Gott ist ihm als Trotz gegen dessen eigene Schöpfung wichtig, und Jesus ist ihm als Erfolgloser und fortdauerndes Ärgernis der Kirche wertvoll. Religion wird für Bichsel – und mit ihm auch für uns – dort spannend, wo sie nicht als Bindung (religare), sondern als Wiederlesen (religere) verstanden wird. Ein ‹Widerlesen› auch, am schönsten in der kühnen Rechtfertigung des Sündenfalls und der klugen Sünderin Eva, die das Leben erst lebenswert gemacht hat. (Daniel Rothenbühler)

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