Gegengabe ist ein Buch, das man keinem Genre zuordnen kann. Es enthält Gedichte – selbstgeschriebene und übersetzte – Essays, Notate in der Art von Tagebucheinträgen, kleine literatur- und kulturgeschichtliche Schlaglichter, Keime für Essays und Prosatexte. Was den Band auf elektrisierende Weise anregend macht, sind die unsichtbaren Fäden, die sich zwischen den scheinbar zufällig angeordneten Texten ziehen lassen, wenn man sich länger auf und zwischen den Seiten aufhält. Einzigartig ist die Spannung zwischen Machen und Reflektieren, zwischen Arbeit am Sprachmaterial und der Auseinandersetzung damit auf der Metaebene, die sich durch die Zusammenstellung ergibt. Ingolds Texte über das Schreiben zeigen den Leserinnen und Lesern aber gerade nicht den Königsweg zum Verständnis seiner Gedichte auf, sondern sie ermutigen dazu, sich auf eigene Lesarten einzulassen, es können auch eigenartige sein. Verstehen bedeutet nicht aufschlüsseln, was «gemeint ist», sondern dem Ohr, den Assoziationen vertrauen. Gegengabe ist mehr als ein Buch; es ist ein Raum für Gedanken und damit eine erweiterte Existenz. (Christine Lötscher)